Von der Wurfplanung bis zur Welpenabgabe

 

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Von der Wurfplanung bis zum Decken

Alles beginnt mit dem Finden des passenden Rüden und dem Decken der Hündin.

Beim Züchten von Welpen beginnt die Planung bereits mehrere Monate vor dem eigentlichen Decken der Hündin. Zuerst beginnen wir damit, einen passenden Deckrüden für unsere Hündin zu finden. Die zahlreichen Online-Listen von anerkannten Rüden aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland sind dabei eine grosse Hilfe. Dennoch braucht es immer viel Zeit: die Vorfahren (Stammbaum) und die gesundheitlichen Werte müssen passen, seine Optik muss uns gefallen, seine Grösse muss stimmen, seine Ergebnisse im Hundesport und bei Shows und natürlich ganz wichtig durch sein Wesen muss er überzeugen. Sobald ein Rüde gefunden ist wird der Deckrüden-Besitzer angefragt und wenn es ein Rüde vom Ausland ist holen wir uns die Bewilligung bei unserem Züchterverband GWS (Gesellschaft Weisse Schäferhunde Schweiz) ein.

Schon Monate vor der Paarung melden sich Interessenten

Sobald wir die Zusage des Deckrüden-Besitzers und des Züchterverbandes haben, künden wir den geplanten Wurf auf unserer Homepage an. Dabei geht es nicht lange und schon erhalten wir Anfragen. Die potentiellen Kandidaten laden wir jeweils zu uns nach Niederbipp ein, damit man sich gegenseitig kennen lernen kann. Denn uns ist es nicht nur wichtig, dass die Familien, Paare oder Einzelpersonen bevorzugt Hundeerfahrung, viel Zeit und ein passendes Zuhause haben, sondern dass sie uns auch persönlich überzeugen. Dazu gehört immer ein wenig Bauchgefühl. Und natürlich muss  auch der potentielle Hundebesitzer entscheiden, ob die Zuchtstätte sowie die Hündin passt.“

Die Läufigkeit der Hündin

Sie sehen also, da gehört viel Vorarbeit dazu. Zudem muss man sich jedes Mal wieder Gedulden, bis die Hündin läufig ist. Die Natur ist unberechenbar und läuft eben nicht wie eine Schweizer Taschenuhr. Und dann ist es endlich soweit; die Hündin ist läufig. Nun gilt es den Rüden-Besitzer zu informieren und wenn man eine weite Reise hat ein Hotel zu buchen. Eine Hündin befindet sich etwa 21 Tage in der Hitze (Läufigkeit). Bei vielen sind die sogenannten Stehtage, wenn die Hündin besonders empfänglich ist, zwischen dem 10. und dem 16. Tag. Dabei gibt es einige Merkmale, die Ihnen zeigen, dass die Hündin ihre Stehtage hat: zur Seite legen des Schwanzes, hellrot-wässriger Ausfluss, die Vulva hat horizontale Falten.“

Progesteron-Wert bei der Hündin messen

Wenn wir eine lange Reise zum Rüden haben, ziehen wir die Hilfe eines Progesteron-Tests dazu. Das Hormon Progesteron ist für die Aufrechterhaltung der Trächtigkeit verantwortlich und beginnt zu den Eisprüngen hin anzusteigen (Normalwerte unter 1ng/ml). Der Grund: Die Follikelbläschen, worin die Eizelle schwimmt, beginnen kurz vor dem Eisprung mit der Freisetzung des Hormons. Dabei steigt bei manchen Hündinnen der Wert schneller als bei anderen. Am Tag der Eisprünge liegt der Progesteron-Wert zwischen 4 und 10 ng/ml, wobei erst 1 oder 2 Tage danach der beste Tag für das Decken der Hündin ist. Hierbei gilt es zu beachten, dass die Hündin wenn möglich gleich zwei Mal innerhalb von 24 – 48 Stunden vom Rüden gedeckt werden sollte.“

Das Decken der Hündin kann losgehen

Es ist soweit; Ihr Progesteron-Wert liegt bei 8ng/ml. Nun müssen wir vorwärts machen, wenn es ins Ausland geht: Packen, sowie Rüden-Besitzer und Hotel über unser kommen informieren. Los geht’s. Ein erster Deckversuch kann gestartet werden, etwas rumspielen und dann wird es ernst. Sie "hängen" – das bedeutet, dass die angeschwollene Eichel des Rüden dank der Vaginalmuskulatur der Hündin  hängen bleibt. Dies sollte mindestens 10 Minuten, kann aber auch bis zu 45 Minuten dauern. Ohne Hängen schwinden die Chancen, dass der Deckakt geklappt hat. Ein zweiter Versuch werden wir etwa 24 Stunden danach machen. 3-4 Wochen später werden wir sehen, ob die Hündin trägt.

Die Trächtigkeit der Hündin

Es dreht sich nun alles um die Trächtigkeit der Hündin und die Vorbereitungen für die Geburt der Welpen.

Nach dem Deckakt ist Warten angesagt. Drei Wochen nach dem ersten Deckakt können jeweils einige Anzeichen auf eine erfolgreiche Verpaarung hinweisen:

  • Die Hündin frisst ab dem 20. Tag für einige Tag gar nichts mehr oder nur noch wenig.
  • Die Hündin wird sehr anhänglich.
  • Ab dem 21. Tag sondern viele Hündinnen zähflüssigen, klaren Schleim ab.

All diese Anzeichen sind zu sehen. Wir erwarten Welpen! Also erhöhen wir ab der 4. Woche die Proteinzufuhr. Dazu ist Welpenfutter bestens geeignet, man soll aber darauf achten Sie nicht zu überfüttern.

Die Ultraschall-Untersuchung mit 4 Wochen

Mit 4 Wochen ist ein guter Zeitpunkt, um die Trächtigkeit der Hündin mit einer Ultraschall-Untersuchung zu bestätigen. Wir greifen auf diese Möglichkeit nach den ersten 4 Wochen zurück, wenn wir das Gefühl haben, dass die Hündin nicht trächtig ist oder Probleme auftauchen. Da der Ultraschall ungenau ist und man die Anzahl Welpen zu diesem Zeitpunkt nur schwer feststellen kann, bevorzugen wir das Röntgen etwa eine Woche vor der Geburt.

Woche 7 und 8 der Trächtigkeit der Hündin

In der 7. Woche messen wir bei der Hündin täglich die Temperatur und schreiben uns die Werte auf. Diese brauchen wir als Vergleich gegen Ende der Trächtigkeit, wenn die Temperatur zuerst sinkt und dann wieder ansteigen wird. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir die Wurfbox aufstellen, damit sich die Hündin schon daran gewöhnen kann. Bei uns steht diese jeweils im Wohnzimmer.

Auch nach 7 Wochen geniesst unsere Hündin immer noch die täglichen Spaziergänge und die Kopfarbeit. Wir schauen aber darauf, dass sie nicht mehr allzu wild mit den anderen Hunden rumtollt und auch unser Agility-Training hat in der Zeit Pause. Ab der 8. Woche sind die Welpen gut zu spüren und der eine oder andere Fusstritt wird auch schon ausgeteilt….es ist jedes Mal wieder ein toller Moment, wenn man die Kleinen spürt.

Das Röntgen der trächtigen Hündin

Das Röntgen ist gemäss unserem Tierarzt ab dem 51. Tag möglich, idealerweise etwa eine Woche vor dem erwarteten Geburtstermin. Damit wir wissen, wieviele Welpen es sein werden und ob alle gut entwickelt sind, machen wir jeweils eine Röntgenaufnahme bei unserem Tierarzt und informieren ihn auch gleich über den errechneten Geburtstermin. Für uns ist das Röntgen eine Sicherheit, einerseits um zu sehen, was uns erwartet und andererseits um zum Beispiel bei einem Wehenstopp bei der Geburt zu wissen, ob alle Welpen auf der Welt sind oder wir mit dem Tierarzt Kontakt aufnehmen müssen, weil die Geburt noch nicht abgeschlossen ist, sprich noch Welpen drin sind. Auf den Röntgen-Tag sind wir immer sehr gespannt.

Zwischen dem 58. und 63. Tag erwarten wir den Nachwuchs. Wir messen ab dem 57. Tag täglich die Temperatur und vergleichen sie mit den Messungen von der Woche 7. Wenn die Körpertemperatur um ca. 1,5 bis 2 Grad fällt, werden die Welpen innert 6-24 Stunden geboren. Es geht los, wenn die Körpertemperatur wieder ansteigt.

Parasitenschutz bei einer trächtigen Hündin

Auch während der Trächtigkeit schützen wir die Hündin vor Parasiten, insbesondere Zecken. Ich persönlich verzichte in dieser Zeit auf „chemische“ Produkte und benutze Kokosöl, welches ins Fell eingestrichen wird.

Vorbereitung vor der Geburt der Welpen

Für einen reibungslosen Ablauf bei der Geburt stelle ich einige Sachen bereit:

  • eine Waage
  • Tücher, Leintücher, Decken, Frottee-Tücher
  • Thermometer
  • Halsbänder in verschiedenen Farben. Da diese bei unseren Welpen in der ersten Woche zu gross sind, verwenden wir erst einmal farbige Haargummis
  • Gewichts- und Geburtstabelle (Excell-Tabelle)
  • Bettflasche, Wärmelampe, Wärmekissen
  • Notfallapotheke (zB. Homoöpathie), Gazen, Betadine, Klemme
  • Schere
  • Desinfektionsmittel für Hände und Gegenstände
  • Wäschekorb, wo Sie die Welpen rein legen können, wenn Sie die Wurfbox reinigen wollen.
  • Transportbox – wenn es zum Tierarzt geht
  • Tierarzt informieren
  • Je nachdem eine helfende Hand (Hilfsperson, Hebamme für Hunde) für die Geburt organisieren/anfragen.

Und dann hoffen wir auf eine gute Geburt!

Die ersten 3 Lebenswochen der Welpen

Ein Einblick in die ersten 3 Lebenswochen der Welpen

„Zu Beginn besteht das Leben der Welpen aus Schlafen und Säugen. In dieser Zeit ist es unsere Aufgabe, die Wurfbox sauber zu halten (die Waschmaschine wird nun zu einem wertvollen Helfer), die Hündin ausreichend zu füttern und die Welpen täglich zu wägen. Während diesen 3 Wochen empfangen wir keine Besuche:

  • weil die Mutterhündin ihre Welpen noch zu fest beschützt
  • weil durch den Besuch sonst zu viel Unruhe in den Wurf kommt und die Welpen dadurch schlecht zunehmen
  • und weil die Welpen zu anfällig auf Infekte sind.

In dieser besuchsfreien Zeit leben die Hundewelpen in der Wurfbox."

Die ersten 2 Woche der Welpen: neonatale oder vegetative Phase

„Am Anfang sind die Welpen einerseits auf Wärme angewiesen. Obwohl sie noch blind und taub sind, finden sie den Körperkontakt mit der Mutter und den Geschwistern, welcher ihnen nebst Wärme auch Schutz bietet. Andererseits sind sie natürlich auch auf die Muttermilch angewiesen. Dabei erreichen die Welpen mit Pendelbewegungen, Robben und Kriechen die mit Milch gefüllten Zitzen der Hündin. Durch Treten am Gesäuge wird der Milchfluss aktiviert und wenn die Milch dann fliesst, hört man die Kleinen genüsslich schlucken.

In diesem Stadium sind Geruchs- und Geschmacksinn nur beschränkt ausgebildet. Um sich bei der Mutter bemerkbar zu machen, wenn die Mutter z.B. auf einen Welpen liegt, diese Hunger oder Schmerzen haben, ist deren Stimme bereits ausgebildet: sie nürzen, bellen, jammern, fiepen, schreien…

Nach diesen zwei Wochen werden die Welpen und die Hündin das erste Mal entwurmt. Um diese Zeit herum kürze ich den Welpen zudem ein erstes Mal die spitzigen Krallen, welche beim Säugen sehr schmerzhaft für die Mutter sein können.

In den ersten zwei Wochen wachsen die Welpen enorm schnell und legen markant an Gewicht zu. In dieser Zeit wird das Gewicht meist verdoppelt. Wenn Welpen mit Wolfskrallen dabei sind, müssen wir diese innerhalb der ersten 3 Lebenstage von einem Tierarzt entfernen lassen."

Woche 3 der Welpen: die Übergangsphase

Jetzt gibt es einen grossen Entwicklungsschritt im Leben eines Welpen, nämlich von der passiven zur aktiven Lebensweise. In diesen Tagen geschehen viele wunderbare Dinge:

  • Der Welpe beginnt auf Geräusche zu reagieren, da sich das Gehör langsam entwickelt.
  • Die Augen öffnen sich langsam und die Sehfähigkeit nimmt stetig zu. Die Augenfarbe ist bei allen Welpen zuerst einmal blau.
  • Die Wärmeregulation funktioniert nun.
  • Kot und Urin werden ohne Hilfe der Mutter abgesetzt.
  • Die Muskelkoordination verbessert sich. Es wird nun nicht nur mehr gerobbt und gependelt, sonder der Welpe übt auf allen Vieren zu gehen. Entdecken und Erkunden kommen nun zum Schlafen und Trinken dazu.
  • Das aktive Interesse an den Geschwistern steigt – da sieht man den einen oder anderen Welpen auch mal aneinander knabbern.

Diese Zeit bringt mich immer wieder zum Schmunzeln

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um auch das eine oder andere Spielzeug oder Stofftier in die Wurfbox zu geben und den tieferen Ein- und Ausstieg für die Hündin zu „schliessen“, da auch Kletterversuche zu den neuen Aktivitäten der Kleinen gehören – es soll ja keiner entwischen.

Ab der 3. bis zur 6.Woche brechen die Milchzähne durch. Diese sind sehr spitz und es sind erst einmal nur 28 Stück.
Zwischen dem 4. und 7. Monat findet der Zahnwechsel statt, danach besteht das bleibende Gebiss aus 42 Zähnen."

4. bis 8. Lebenswoche der Welpen

Die Prägungsphase - 4. bis 7. Lebenswoche

Ab der 4. Woche geht das Leben der Welpen so richtig los. Sie wollen alles ausprobieren – ihr Alltag besteht aus entdecken, rennen, spielen, kämpfen, essen und schlafen.

Körperlich haben sich die Ohren, Nase und Augen der Welpen bereits voll entwickelt und die Milchzähne brechen ab der 3. bis zur 6. Woche durch. Diese sind sehr spitz und zu Beginn nur 28 Stück.

Die Welpen wollen Neues entdecken

Die kleinen Fellnasen sollen jetzt die Umwelt in einem ihrem Alter entsprechenden Mass und unter sicheren Bedingungen kennen lernen. Der Umgang mit Menschen, unterschiedliche Geräusche, optische Eindrücke und verschiedene Untergründe sind in dieser Phase besonders wichtig. Dabei ist der Kreativität der Züchter kaum Grenzen gesetzt: Ob knisternde Petflaschen, Plüschspielzeuge in allen Formen und Farben, Bälle, Hängebrücken, Wackelbretter, ein Hundepool gefüllt mit Wasser oder Plastikbällen, Transportboxen und Betten als Versteck- und Schlafmöglichkeiten, die jungen Hunde wollen Neues entdecken. Abwechslung ist das A und O.

Zwischen der 3. und 5. Lebenswoche sind die Welpen auffallenden angstfrei, was mit der körperlichen Entwicklung zu tun hat. Reize, die Welpen nun kennen lernen, werden auch zukünftig mit Entspannung verknüpft.

Rangordnungen werden geschaffen und Persönlichkeiten definiert

Im Spiel mit den Geschwistern geht es bereits um Rangordnung und das Finden der eigenen Persönlichkeit. Sie halten sowohl die Mutter als auch uns Züchter auf Trab. Und dennoch wird immer noch die meiste Zeit geschlafen.

Markante Punkte dieser Entwicklungsphase sind neben dem plötzlichen Aufkommen von Durchsetzungsvermögen gegenüber den Wurfgeschwistern auch Facetten des Aggressionsverhaltens sowie erste Anzeichen von Angst. Dabei ist Angst hier nichts Negatives, sondern ein sinnvoller Gegenspieler ihres neugierigen Erkundungsdrangs, der mit der fünften Lebenswoche einsetzt. Die Angst schützt die kleinen Vierbeiner vor Risiken und wird sie ihr ganzes Leben als stiller Berater begleiten.

Sozialisierungsphase – 8. bis 12. Lebenswoche

Bevor die Welpen unsere Zuchtstätte und ihre Hunde-Familie nach 8 Wochen verlassen und zu den neuen Familien ziehen, stehen in der 8. Lebenswoche noch diverse Aktivitäten an. Diese entstehen aus der Jahreszeit in welcher der Wurf aufwächst oder aus den Möglichkeiten die das Wetter zulässt: Kurze Fahrten mit dem Auto sowie kleinere Spaziergänge mit Leine und Halsband, treffen von anderen Hunden, Besuche verschiedener Orte sollen die Hunde auf Ihren künftigen Alltag vorbereiten. Es ist für uns aber wichtig das Ganze im Masse zu betreiben und die Balance zwischen dem Gefüge der Hunde-Familie und der Vorbereitung auf das kommende Leben zu finden.

Zudem steht der Besuch beim Tierarzt an. Dabei wird den Kleinen der Chip gesetzt, die erste Impfung wird gemacht und für die DNA wird eine Blutprobe entnommen.

Nach der erfolgreichen Abschlusskontrolle des Züchterverbands darf der Welpe dann die grosse weite Welt entdecken. Er zieht zu seiner neuen Familie und alles was er jetzt lernt, lernt er fürs Leben. Das bedeutet für die neuen Besitzer mit Ruhe, Geduld, Konsequenz und viel Liebe aus dem kleinen Welpen einen tollen Begleiter für die kommenden Jahre zu machen.